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Newsarchiv   Das Jahrhunderthochwasser im August 2002            
Gemeinde    
Links   Der Katastrophen-August von 2002    
Kontakt    
    …ist sicher noch sehr vielen gut in Erinnerung. Das als Jahrhunderthochwasser eingestufte Ereignis flutete  
WETTER   zwischen dem 11. und 13. August weite Teile von Nord- und Ostösterreich und richtete insbesondere an   
Niederschlag   Salzach, Donau, Steyr, Kamp etc. gewaltige Schäden an. Anfangs war auch der Westen des Bundesgebietes   
Temperatur   betroffen.    
Prognosen    
Warnungen    
Webcam   Doppeltes Pech    
Winter    
Gewitter   Meteorologisch gesehen war das Hochwasser doppeltes Pech, da sich zwei recht ähnliche Lagen innerhalb  
Rekorde   weniger Tage wiederholten. Anfang August herrschte rund um Europa kräftiger Hochdruck, dabei entscheidend  
Partner   ist vor allem das Azorenhoch, das seinen Einflussbereich bis auf den Ostatlantik ausgeweitet hatte. So konnte auf  
  der Vorderseite dieses Hochs kalte Luft nach Mitteleuropa fließen.    
    Ausgangspunkt war ein Tief, welches sich am 8. August an der Ostflanke des Azorenhochs bildete und vorerst  
    nordwärts nach Irland wanderte. Am 10. August verlagerte dieses Tief seinen Kern über Südengland nach   
    Nordfrankreich, um dort einzugehen. Es hatte während  seiner Lebenszeit isländisch-grönländische Kaltluft  
    in den westlichen Mittelmeerraum vorangetrieben, welche dort die Bildung eines Höhentiefs über Südfrankreich  
    anfachte. Die durch dieses Höhentief entstehende Dynamik ließ den Luftdruck über Oberitalien ungleich rasch  
    abfallen, wodurch sich über der nördlichen Adria ein Bodentief ausbildete, das äußerst feucht-warme Luft von   
    der Libyschen Bucht mit kalter Luft vom westlichen Mittelmeer mischte und sich dadurch schnell verstärkte.  
    Bis zum Abend des 11. Augusts hatte sich Tief "Ilse" mit seinem Kern nach Friaul verlagert. Bis zum Morgen  
    des 12.  Augusts hatte Tief "Ilse" bereits die Alpen überquert und befand sich über Tschechien. In weiterer Folge  
    verlagerte es sich nach Ostdeutschland, wo sein Lebenszyklus einige Tage später zu Ende ging.    
    Während dessen vermengte das Bodentief aber seine feucht-warmen Luftmassen durch Aufgleiten auf die  
    kühle Luft, die über Mitteleuropa lag. Genau im Bereich des Aufgleitvorgangs kam es zu den stärksten    
    Niederschlägen, die durch die an der Rückseite des Tiefs auftretende Nordwestströmung retour an die    
    Nordalpen gepresst wurden und so einen zusätzlichen Staueffekt entzündeten.    
     
    In der Meteorologie wird dies als Vb-Tief (sprich fünf b) bezeichnet. Der niederländische Meteorologe    
    van Bebber stufte damit in seiner 1891 veröffentlichten Zugbahneinteilung ein Tiefdruckgebiet, das     
    ausgehend von Oberitalien nord- bzw. nordostwärts zieht, ein.    
     
   
 
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Bild: Wetterkarte vom 12. August 2002, 0 UTC (Quelle: www.wetterzentrale.de)    
     
    Unglücklicher Weise brachte diese eine Lage nicht nur selbst große Niederschlagsmengen, sondern sie hatte  
    sich in sehr ähnlicher Form bereits zwischen 6. und 7. August abgespielt, wo ebenfalls sehr hohe Regenmengen  
    zu Boden gingen und diesen bereits so gesättigt hatten, das er keine weitere Nässe mehr aufnehmen konnte.  
    Darum floss sämtlicher Niederschlag unverzögert ab und ließ Bäche und Flüsse umgehend ansteigen. Eine  
    Verkettung unglücklicher Umstände…    
     
     
    Erstes Hochwasser am 7. August    
     
    Am Abend des 6. August, an dem es bis 20 Uhr bereits 38 l/m² (in 24 Stunden) geregnet hatte, setzte recht   
    starker Regen ein. Zeitweise regnete es mit einer Rate von 10 l/m² in der Stunde. Der größte Patzen fiel    
    bis zur Früh des 7. August. Innerhalb von 12 Stunden summierten sich 89 l/m² (Ø 7,4 l/h). Danach ließ die  
    Intensität deutlich nach und das Hochwasser ging zurück. Bis zum Abend waren 124 l/m² gefallen. In der    
    Hitliste der letzten 15 Jahren ergibt das immer noch den 3. Platz.    
     
     
    Der Tag der Flut am 12. August    
     
    Ein unvergleichbares Hochwasserereignis erlebte Hintersee fünf Tage später und doch kam unsere Gemeinde  
    im Vergleich zu anderen Regionen sehr glimpflich davon.    
     
    Der 11. August verlief noch weitgehend ruhig mit etwas Regen (11 l/m²). Erst spätabends um 23 Uhr begann  
    es sehr stark zu regnen. Bis 5:30 Uhr fielen bereits 68 l/m (Ø 10,5 l/m² pro Stunde). Den Höhepunkt der Nieder-  
    schläge gab es von der Früh weg bis zum Vormittag. Hier regnete es mit Raten bis knapp 13 Litern in der   
    Stunde. Bis 10 Uhr kamen weitere 58 l/m² (Ø 12,8 l/m² pro Stunde) hinzu. Innerhalb von nur elf Stunden war  
    somit die unfassbare Menge von 126 l/m² (Ø 11,4) vom Himmel gekommen. Das waren also mehr als fünf  
    Tage zuvor noch an einen Tag fielen. Ab Mittag ließ die Intensität des Regens dann spürbar nach und sank  
    auf eine durchschnittliche Regenrate von 4,9 pro Quadratmeter und Stunde. Um 20 Uhr ergab die tägliche  
    Messung schließlich einen Gesamtniederschlag on 175 l/m² (Ø 7,3 l/m² pro Stunde), was bis heute der    
    absolute Niederschlagsrekord in Hintersee ist.    
     
    Rechnet man alle Niederschläge, die durch Tief "Ilse" in Hintersee fielen, so kommt man auf eine Summe von  
    217 l/m². Die höchsten Werte einer offiziellen ZAMG-Station erreichte unsere südliche Nachbargemeinde  
    St. Koloman mit 176 l/m², dahinter folgte die Loferer Alm mit 165 l/m². Die großen Regenmengen im Flachgau  
    und im Staubereicht der Osterhorngruppe zeigen auch die Daten des Hydrographischen Dienstes Salzburg.  
    Die Stationen in Faistenau (186 l/m²), Eugendorf (145 l/m²) und St. Gilgen (137 l/m²) belegen dies genauso wie   
    die für die Gegend ebenfalls recht hohen Werte aus Oberndorf (102 l/m²) und Nußdorf (100 l/m²).    
     
    Bundesweit gesehen hatte am 11. August das Vorarlberger Schoppernau mit 118 l/m² die Nase vorne,    
    am 12. August hatten sich die Niederschläge bereits in den Ostern des Landes verlagert und hievten    
    Lunz am See in Niederösterreich mit 132 l/m² (Quelle: ZAMG) auf Platz 1.    
     
     
    Das Hochwasser und seine Spuren    
     
    Den Höhepunkt der Flut erreichten wir in Hintersee zwischen zirka 9:30 Uhr und 11 Uhr am Vormittag des  
    12. Augusts. Alle Bäche und Gräben führten extrem großes Hochwasser und traten stellenweise über    
    die Ufer. Nahe dem Sportplatz im Ortsteil Lämmerbach wurde eine Straße von der Taugl weggespült.    
    Gleiche brachte auch nach einer Verklausung die Leitenbrücke zum Einsturz und schnitt einen gesamten  
    Ortsteil von der Umwelt ab. Dabei entging der Briefträger nur knapp dem Zusammenbruch. Im Ortsteil    
    Mühlviertel beschädigte der Tiefenbach eine Brücke schwer. Unzählige Keller wurden dazu unter Wasser  
    gesetzt, die Feuerwehr war pausenlos im Einsatz.    
     
   
 
   
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Bild: Der Ladenbach mit abflauenden Hochwasser bei seiner Staumauer, wo er das Rück-  
    haltebecken kräftig mit Schotter und Holz auffüllte.    
     
   
 
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Bild: Reißendes Hochwasser im Tiefenbach    
     
   
 
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Bild: Der sonst so friedliche Tiefenbach, der eigentlich mit Stiefeln durchquert werden kann,  
    zerlegte hier eine Brücke. Wasserstand zu diesem Zeitpunkt mindestens 1,6 m.    
     
    Nach dem Einsturz der Leitenbrücke machten sich Pioniere des Bundesheeres schleunigst daran, eine     
    Behelfsbrücke über die Taugl aufzubauen. Hier dazu ein Artikel der Salzburger Nachrichten vom 14. August 02.  
     
    Pioniere errichten zwei Brücken     
         
    Bundesheereinsatz: Ortsteile von Hintersee und Eben sind von Umwelt abgeschnitten.     
         
    SALZBURG (SN, APA). Rund 800 Soldaten des Bundesheeres stehen bei den Aufräumungs- und Wiederherstellungsarbeiten   
    nach dem Hochwasser im Land Salzburg derzeit noch im Einsatz. Auch hier wurden ja mehrere Brücken weggerissen.   
    Schwerpunkte des Assistenzeinsatzes sind am Mittwoch Hallein und Golling, Maria Alm und Saalfelden sowie     
    Hintersee und Eben.    
     
    In den nächsten beiden Tagen stehen vor allem Pioniere im Raum Eben und Hintersee im Dauereinsatz, um der dort   
    abgeschnittenen Bevölkerung die Verbindung zur Außenwelt wieder zu ermöglichen. In Hintersee baut seit heute das   
    Pionierbataillon 2 mit 90 Soldaten aus Salzburg eine 36 Meter lange Brücke. Die Brücke wird am Land zusammengebaut   
    und morgen über den Fluss eingeschoben. Hier wurde die Bevölkerung der Ortschaft Leiten von der Umwelt abgeschlossen.  
         
    In Eben im Pongau wurde am Dienstag eine Einsatzbrücke (Brücke 2000) errichtet, um die technischen Voraussetzungen   
    für den Bau einer D-Brücke zu schaffen. Diese wird im Laufe des Donnerstag von 35 Mann aus Tirol und Salzburg gebaut.   
         
   
 
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Bild: Leitenbrücke    
     
   
 
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
     
    Bild: Aufräumarbeiten im Tauglbach beim Sportlerheim/Lämmerbach.    
     
     
    Monatshöchstwert nicht gebrochen    
     
    Mit einer Regenmenge von 497 l/m² schloss schlussendlich der August 2002. Aber wider erwarten war das nicht  
    der bisher registrierte höchste Monatswert. Dieser stammt nämlich aus dem Juli 1997 mit 538 l/m² und hat  
    somit schon sehr lange Bestand. Genau umgekehrt ist es bei der Monatssumme der Hydrographischen Station  
    in Faistenau. Hier liegt der August 2002 mit 454 l/m² vor dem Juli 1997 (450 l/m²). Eugendorf schloss mit einer  
    Regenmenge von 429 l/m², St. Gilgen mit 388 l/m², Nußdorf kam auf 341 l/m², Oberndorf auf 278 l/m².    
     
     
     
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